Schwangerschaft ist keine Krankheit – wie sehr ich diese Aussage gehasst habe. Weil viel zu viele Menschen, darunter auch Partner oder Arbeitskollegen, keine Ahnung haben. Keine Ahnung darüber wie schlecht es manchen Schwangeren geht. In sämtlichen Prospekten werden Schwangere immer strahlend, überglücklich und tanzend über ein Feld dargestellt. Doch leider sieht die Realität oft anders aus.

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Hier meine Geschichte: An dem Tag, an dem mir der Frauenarzt mein kleines Wunder bestätigte, fing auch schon die Übelkeit an. Hach Übelkeit klingt so harmlos, doch es war furchtbar. Über Wochen und sogar Monate hinweg erbrach ich an jedem einzelnen Tag, manchmal sogar öfter.  Egal ob in der Früh, Mittags oder Abends – kein Essen war bei mir sicher. Aber auch mit leerem Magen musste  ich mich übergeben. Ekelhaft! Der Geschmack, die Farbe, die Konsistenz und schade um das gute Essen. Doch das schlimmste daran ist, dass dich kaum jemand versteht. Übelkeit in der Schwangerschaft ist doch normal! Schwangerschaft ist keine Krankheit. Und doch – oft genug fühlt ich mich krank. Ich war müde, genervt, kraftlos und unheimlich geschwächt. So sehr wollte ich die Schwangerschaft genießen, ein wenig Morgen-Übelkeit wäre definitiv OK gewesen, aber nicht so. Ich versuchte alles, von Tabletten, über Tees, Ingwer, essen im Bett, bis hin zu kleine Snacks.  Aber es half alles nichts. Ich ernährte mich nur noch von Süßem, Schokolade, Nutellasemmeln und Co. und dabei wollte ich mich doch gesund ernähren in der Schwangerschaft. Selber zu Kochen war jedoch kein Problem, nur konnte ich es nicht essen. Auch wenn es noch so lecker war, am Ende landete es trotzdem in der Toilettenschüssel. In dieser Zeit fuhr ich sehr oft zu meinen Eltern zum Essen. Manchmal hat es dort geklappt und alles blieb in meinem Magen, aber leider auch nicht immer. Beim Essen etwas zu Trinken war übrigens auch tabu.

Peinliche Geschichte:
Eines Samstag morgens fuhr ich zur Arbeit ins Fitness-Studio. Nur 100m vorm Parkplatz musste ich auf der Straße stehen bleiben, stieg entkräftet aus dem Auto und übergab mich mitten auf der Straße. Zu meinem Pech ging gerade ein Mitglied unseres Studios dort spazieren und sah mich. Eine junge Frau kotzt Samstag morgens mitten auf die Straße. Ich bin mir sicher, sie dachte sich ich hätte die Nacht durchgefeiert und zu viel getrunken und fahre jetzt verkatert in die Arbeit. Es war mir so unglaublich peinlich …
Einige Woche später, als es offiziell war, konnten wir darüber lachen.

Viele Wochen vergangen bis mir klar wurde, dass das nicht mehr normal ist und ich beschloss aktiv zu werden. Mein Frauenarzt schickte mich in ein Krankenhaus wo ich 2 oder 3 Tage blieb und Infusionen bekam. Auf die Minute ging es mir besser. Endlich! Ich war so glücklich, doch bereits am Heimweg überkam mich wieder die Übelkeit. Erst 3 Monate vor der Geburt meines Sohnes besserte sich die Lage und ich musst mich nur noch ab und zu mein Essen mit der Kloschüssel teilen. Und sogar bis in den Kreißsaal wich mir meine ungewünschte Schwangerschafts-Begleitung, die liebe Übelkeit, nicht von der Seite.

Und deswegen bleibt mein Kleiner ein Einzelkind. 😉

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