[faminino.de] Anmerkung: Ich spreche im Folgenden von „gleichberechtigt“  eigentlich geht es aber um mehr:

Es geht darum, dass man Aufgaben gerecht teilt und sich beide gleich (an Haushalt, Erziehung, Pflege der Kinder etc.) beteiligen.

Mein Mann und ich sind Blogger. Das bedeutet, dass wir beide 24 Stunden am Tag Zuhause sind (mal abgesehen von Einkäufen, Besuchen, Ausflügen etc.). Wir führen eine sehr „gleichberechtigte Beziehung“, das heißt, dass mein Mann ebenso kocht, wäscht und putzt wie ich (manchmal sogar mehr) und ich ebenso arbeite, Boden verlege und Wände streiche wie er.

Verhütung und Schwangerschaft: Der Mann als Randfigur

Für uns war immer klar, dass wir als Eltern unsere Kinder ebenso  gleichberechtigt erziehen werden. Doch schon beim Thema Verhütung ist  Gleichberechtigung schwer zu erreichen denn die „Hauptlast“ liegt bei der  Frau, wenn man nicht komplett auf Kondome umsteigt (was wir einfach nicht wollten). Wir haben uns damals gemeinsam für einen Verhütungscomputer entschieden, letztendlich war es dann aber meine Aufgabe diesen täglich zu benutzen (geht ja nicht anders).  Als wir uns dann bereit für ein Kind fühlten, folgte (nicht direkt aber nach ein paar Monaten Wartezeit) die Schwangerschaft. Und hier wurde das Ungleichgewicht so richtig deutlich: Mein Mann wurde mehr oder weniger zu einem Zuschauer. Er konnte mich zwar unterstützen aber er konnte mir nichts abnehmen und gleichzeitig war es für ihn dadurch viel schwerer zu unserem Baby eine Bindung aufzubauen. Klar hat er mir geholfen wo er konnte, mir Essen gekocht, ist mit dem Hund gegangen aber letztendlich musste ich den dicken Bauch alleine durch die Gegend tragen, von der Geburt mal ganz zu schweigen. In dieser Zeit trösteten wir uns immer damit, dass es alles besser werden würde, wenn das Baby endlich auf der Welt wäre und er es auch tragen könnte.

Das Ungleichgewicht geht weiter: die Babyzeit

Mittlerweile ist unser Babyjunge seit 11 Wochen bei uns. 11 turbulente und nicht immer ganz einfache Wochen, die uns gezeigt haben: Gleichberechtigte Erziehung geht nicht. Zumindest nicht, wenn man sich als Ziel setzt, dass beide gleich viel Zeit mit dem Kind verbringen, eine ähnliche Bindung haben, die gleichen Dinge mit dem Kind erledigen und dem Kind das gleiche bieten können. Denn allein dadurch, dass ich stille,  ist der Babyjunge weiterhin deutlich stärker auf mich angewiesen als auf  meinen Mann.
Und so kommt es, dass ich es bin, die nachts ständig aufwacht. Dass ich das Baby nehme, wenn es sich einfach nicht beruhigen lässt. Dass ich mich irgendwie mehr zuständig fühle.

Viel, oft und lange haben mein Mann und ich über dieses Ungleichgewicht gesprochen. Darüber, dass er zwar immer da ist und trotzdem das Gefühl hat, dass er als Papa weniger wichtig sei. Unsere Gespräche haben uns dabei vor allem eins gezeigt: Wirkliche Gleichberechtigung im Sinne von „jeder kann und darf alles, was der andere auch kann und darf“ geht einfach nicht. Wir sind halt Mann und Frau und kommen mit  unterschiedlichen Veranlagungen auf die Welt. Das zu leugnen wäre blöd. Und nur um mehr Gleichberechtigung zu bekommen, werde ich nicht aufhören zu stillen und dem Babyjungen das Fläschchen geben (das er im  Übrigen nicht nimmt, wir haben es mit abgepumpter Muttermilch probiert).

Vielfalt als Stärke

Dennoch sind wir mittlerweile überzeugter denn je, dass gleichberechtigte Erziehung dennoch möglich ist. Wenn sich einfach jedes Elternteil seiner Stärken und Schwächen bewusst ist. So schläft unser Kleiner zum Beispiel ganz wundervoll auf dem Bauch von meinem Mann. Wenn ich das versuche, klappt das einfach nicht, weil das Baby nicht zur Ruhe kommen kann (ist wohl zu nah an der Brust und der Duft scheint zu verlockend zu sein). Und wenn das Baby sich nicht beruhigen lässt, weil es Verdauungsprobleme hat (kam hier leider sehr häufig vor), dann kann ich diese Situationen sehr schwer aushalten und bin so dankbar, wenn mein Mann ihn nimmt und stundenlang durch die Wohnung trägt und ihm gut zuredet. Und wahrscheinlich hat unser Kleiner eine andere Bindung zu mir als zu seinem Papa. Aber ist das nicht gerade wünschenswert? Dass jeder von uns unserem Kind etwas Anderes bieten kann und sein Leben dadurch so viel reicher wird?
Mittlerweile wissen wir, dass unser Sohn seinen Papa braucht. Genauso wie seine Mama. Auf unterschiedliche Art und Weise und dennoch gleichwertig. Und mittlerweile weiß ich auch, dass es gar keine Rolle spielen würde, ob mein Mann nun den ganzen Tag Zuhause ist oder arbeiten wäre – ausschlaggebend ist nicht die Menge an Zeit, die man zur Verfügung hat, sondern wie man diese Zeit nutzt. Wahrscheinlich wussten wir das unbewusst auch schon vorher, es sich so deutlich vor Augen zu führen, hilft mir persönlich aber dabei die Situationen besser auszuhalten, in denen ich das Gefühl habe, dass alles irgendwie ungerecht ist.

Gleichberechtigung hat viele Gesichter und die Hautsache ist doch, dass es sich für die betroffene Person gut anfühlt – ganz egal, wie Außenstehende das beurteilen würden.


Dies ist ein Gastbeitrag von Nele, 27 Jahre alt und Bloggerin bei Faminino.de. Dort schreibt sie über  Kinderwunsch, Schwangerschaft und das Leben mit Kind. Im November 2016 wurde ihr erstes Kind geboren und stellt seitdem ihre Welt auf den Kopf – schau doch mal bei ihr vorbei!