Ehrlicher Gastbeitrag von der wundervollen Lisa. Über „Regretting Motherhood“, verlorene Träume und den Alltag alleine mit Kind. Vielen Dank Lisa. Liebe LeserInnen stellt Taschentücher bereit ….

Also anfangs, als ich angefangen habe diesen Text zu schreiben, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Was soll ich schreiben? Soll ich jemanden namentlich erwähnen? Und andererseits – dieses, „Was wäre wenn?“

2015 – das Jahr, das veränderte. Meine Tochter „M.“ kam auf die Welt und jeder um mich rum, vor allem ich und mein Freund, waren ganz vernarrt in die Kleine. Wer hätte gedacht, dass wir heute da stehen wo wir nun sind. Nämlich zu 2. Hand in Hand. Ich, die alleinerziehende Mutter einer 2 Jährigen, die gerne ihre eigene kleine Welt erzählt.

Ich bin wohl eine dieser Mütter, die selbst zugibt eine von vielen „Regretting Motherhood“s zu sein. Bevor Ihr nun das Googlen anfängt, erklär ich euch worum es geht. Solche Mamis bereuen es Mutter zu sein. Nicht weil sie ihre Kinder nicht lieben. Nein, ich liebe meine Tochter ABGÖTTISCH, abgesehen davon, dass ich sie den ein oder anderen Tag an die Wand klatschen könnte (heute war wohl so ein Tag).

Sie bereuen es Mutter zu sein, weil es als Mutter ziemlich schwierig ist. Man muss in eine neue Rolle reinwachsen. Vor allem wenn man alleinerziehend ist. Während der Papa bei der Trennung zurück in sein altes Leben geht, muss ich als Mama nun 2 Rollen übernehmen. Ja, ich würde sagen der Papa geht einen Schritt zurück, die Mama nach vorne. Und das Kind? Steht an der Front! Er hat mir erst gestern voller Stolz erzählt, dass er nun die Studienberechtigungsprüfung machen möchte und danach studieren geht. „Wow, toll!“ Hat mich schon mal jemand gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte? Die Gedanken waren natürlich da! „Pha, wie stellst du dir das vor? Du hast ein Kind! Wer soll denn während deiner Kurse auf die Kleine aufpassen?“ Und so schnell waren diese Gedanken VÖLLIG absurd. Niemand würde mir jede Woche um dieselbe Zeit mindestens 2 mal aufpassen und dabei reden wir noch nicht mal von den vielen Lernstunden die dazu kommen würden. Schon während der Arbeitszeit, wenn mal Überstunden zu tun sind, ist es absolut schwierig, jemanden für meine Maus zu finden. Mein Traum seit ich ein kleines Kind war, ist es Pädagogin zu werden. Kindern etwas beizubringen und auch zu sehen wie sie von Tag zu Tag wachsen. In der Persönlichkeit, im Charakter, in der Größe.
Hätte ich damals nicht eine Lehre als Kellnerin abgeschlossen, wäre ich sicher in die Elementarpädagogische Schule gegangen und wäre womöglich nun „Kindergartentante“. Nun, es hat mich einfach gereizt „eigenes Geld“ zu verdienen. Jetzt würde es gar nicht mehr anders gehen. Könnt ihr euch eigentlich vorstellen wie viele Mütter als „Helferin“ arbeiten möchten?

Also bleibt mir nichts anderes übrig, als Kellnerin in einem kleinen gut bürgerlichen Gasthaus zu arbeiten und „nur“ die Wochenenden managen zu müssen. Eine Umschulung wäre komplett daneben. Selbstverständlich wird man vom AMS dabei nicht unterstützt! „Frau B****, sie sehen ja am Stellenmarkt gibt es genug Angebote! Warum sollten wir Ihnen eine Umschulung ins beispielsweise Büro finanzieren?“ Dass ich gerne dann arbeiten gehen möchte, in denen die Krabbelstube und weiters der Kindergarten geöffnet haben und somit die Abdeckung einer Betreuung ermöglicht wäre, das ist egal.

Ihr seht – da steckt nicht nur ein „schnelles Anmelden an der Fachhochschule“ dahinter. Die Freizeit, mir nähere Gedanken darüber zu machen, hätte und habe ich gar nicht. Ach ja. Freizeit.  Da war doch noch mal was. Meine Freizeit besteht darin Sandkuchen zu backen und Blumenketten zu bauen. Natürlich genieße ich diese Momente. Aber… Was ist mit meinen Hobbys die ich hatte. An oberster Stelle das Singen. Klar, sing ich mit meiner Kleinen auch. Nur eben nicht mehr Silbermond oder Phil Collins, sondern jetzt sind es Künstler wie Rolf Zuckowski die unser Leben begleiten.

Neben diesen „Weh-Wehchen“ die viele von euch als übertrieben bezeichnen würden, sind es auch die finanziellen Mittel, die fehlen. Viele denken leider immer noch, dass wir Mütter mit der „Entschädigung“, die die Väter zahlen auf den Kopf hauen und uns das Leben in Shoppingcenters schön malen. Na klar gehen wir ins Shopping Center. Aber nicht um uns schöne Kleider zu kaufen! Zeig mir die Mutter die shoppen geht ohne ein einziges Kleidungsstück für den Zwerg mit zu nehmen!
Und doch schau ich meiner Kleinen beim Wachsen, Blödsinn machen, schlafen und vor allem beim Lachen zu und denke mir IMMER „Was könnte es denn schöneres geben, als einem so kleinen Menschen das Leben zu zeigen?“



Meine liebe Tochter,
Wenn du dies jemals in die Hände bekommst, denk immer daran, dass das Leben Höhen und Tiefen hat.  Mach das Beste daraus! Im Tal kann man viele neue Leute kennen lernen und am Berg die Aussicht genießen, aber das wichtigste daran ist immer, dass man sich niemals ausruht oder aufgibt! ICH LIEBE DICH

 

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Danke Lisa, dass du uns mitgenommen hast in euer Leben und in deine Gedanken. Ich freue mich deine mutigen und ehrlichen Worte hier teilen zu dürfen. Ich wünsch euch beiden alles gute auf euren Wegen!

eure Sophie