Ist die gemeinsame Obsorge bei getrennten oder geschiedenen Eltern sinnvoll?  Was sind die Vorteile und was sind die Nachteile für die Mutter und wodurch profitiert der Vater?

Nach über eineinhalb Jahren ist es nun so weit. Ich habe eingewilligt. Ich trete einen Schritt zurück und gehe damit dem Vater meines Kindes einen entgegen. Mit meiner heutigen Unterschrift, habe ich ihm den Wunsch einer gemeinsamen Obsorge erfüllt. Warum ich mir viele Monate Zeit nahm, um eine Entscheidung zu treffen und warum ich mich am Ende FÜR die gemeinsame Obsorge entschieden habe, möchte ich euch heute verraten.

Warum ich meine alleinige Obsorge aufgebe?

In den letzten Monaten habe ich bemerkt, dass der Vater meines Kindes ein großartiger Papa ist. Er liebt unseren Sohn genau so wie ich es tue. Er nimmt ihn oft und gerne, zahlt stets und ich sehe einfach, dass die beiden miteinander glücklich sind. Was könnte es schöneres geben in dieser Situation? Auch, wenn wir in der Beziehung gescheitert sind, so sind wir dennoch beide fürsorgliche, verantwortungsbewusste und liebevolle Eltern. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Obsorge kam schon bald von Seiten des Vaters. Für mich, mit alleiniger Obsorge, ist es natürlich ein großer Schritt, für den Vater hingegen ist es ein Stück mehr Normalität. Es zahlt nicht nur, sondern bekommt dadurch auch Rechte. Alle Entscheidungen alleine zu treffen mag vieles erleichtern, aber es bleibt auch die ganze Verantwortung an einem selbst hängen. Warum also nicht? Bei den Entscheidungen, bei denen der Vater nun mitbestimmen kann, geht es immerhin um das Wohl unseres Kindes!

„Die Mutter meldet das Kind im Kindergarten an, benötigt dafür aber nicht die Zustimmung des Vaters.
Der Vater meldet das Kind zum Musikunterricht an, benötigt dafür aber nicht die Zustimmung der Mutter.
Hieraus wird ersichtlich, dass die gemeinsame Obsorge tatsächlich die Rechte der Eltern dem Kind gegenüber in der Ehe widerspiegelt. Dies hat den Vorteil, dass kein Elternteil zweiter Klasse entsteht, was ja bei der Zuteilung der alleinigen Obsorge an ein Elternteil zwangsläufig erfolgt.
Das Verhindern eines „Elternteils zweiter Klasse“ ist unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls wichtig, da Kinder es zwangsläufig bemerken werden, dass ein Elternteil mehr oder weniger entmündigt wurde. Auch kann davon ausgegangen werden, dass Elternteile, die auch noch wirklich vollwertige Elternteile sind, ihre Pflichten dem Kind gegenüber ernster nehmen werden als so genannte „Besuchselternteile“.
Klar ist auch, dass eine gewisse Disziplin beider Elternteile notwendig ist, damit diese nicht diese Rechte gegeneinander ausspielen. Nur: Das sollte für alle Elternteile selbstverständlich sein. Das Kindeswohl hat auch in einer Trennungssituation Vorrang!“ [gemeinsame-obsorge.at]

Gemeinsame Obsorge – gut überlegen!

„Die gemeinsame Obsorge kann als formale Möglichkeit benützt werden, die bisherigen Machtkämpfe fortzusetzen (Rache, Konkurrenzdenken) und somit als rechtlich legitimiertes Mittel zur Machtausübung, Kontrolle und Manipulation sowohl der Frau als auch der Kinder missbraucht werden.“
[Quelle: frauenberatenfrauen.at]

Grundsätzlich ist es sehr wichtig sich diesen Schritt genau zu überlegen! Wer aber ein gutes Verhältnis mit dem Ex-Partner pflegt, indem das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht, der kann sich durchaus Gedanken machen, ob die gemeinsame Obsorge eine Option wäre. Wenn das Verhältnis zum Vater des Kindes schwierig ist, so sollte man lieber davon absehen sein alleiniges Sorgerecht auf zu geben.

Die Idee einer gemeinsamen Obsorge ist dringend abzuraten, sobald einer dieser Gründe vorliegt:

  • Gewalt gegen Frau und/oder Kinder (Drohungen, Druck ausüben)
  • Missbrauch/Missbrauchsverdacht
  • Alkoholismus/Drogenkonsum des Mannes
  • Ignoranz, Vernachlässigung, mangelndes Interesse am Kind
  • wenn auch nach der Scheidung hohes Konfliktpotential und wenig gemeinsame Lösungsfähigkeit zwischen den Eltern besteht
  • wenn Kinder schon während der Ehe in die Paarkrise hineingezogen wurden
  • wenn aufgrund stark divergierender Erziehungskonzepte oder Werthaltungen kein Grundkonsens und somit keine gemeinsamen Lösungen zu erwarten sind

 


 

Wie steht ihr zu diesem Thema? Habt ihr das alleinige Sorgerecht oder gemeinsame Obsorge? Hat sich dadurch etwas verändert und würdet ihr es wieder so machen?

Ich freue mich auf eure Ansichten,
eure Sophie