Die Geburt meines ersten Kindes ist nun ziemlich genau 3 Jahre her und mit dem Voranschreiten dieser Schwangerschaft machte ich mir immer häufiger Gedanken darüber.
Damals wurde ich eingeleitet, ich hatte Wehenstürme (keine Pausen mehr zwischen den Wehen) und trug einige Verletzungen davon. An diesem Tag waren die Kreißzimmer im Krankenhaus voll und die Hebammen hatten sichtlich Stress. Diesen Stress bekam ich leider sehr zu spüren.
All diese „Kleinigkeiten“ ließen mich nicht gerade freudig auf die bevorstehende Geburt blicken. Ich wollte einfach nur, dass sich unsere Maus selbst auf den Weg macht und nicht nachgeholfen werden muss. Eine Einleitung um jeden Preis umgehen – das war mein Ziel.

Wehen fördern

Ich versuchte alles an bekannten Hausmittelchen und ließ mich von diversen Hebammen beraten. Ein Schlückchen Sekt, Sex, ein warmes Bad, Nelkenölbauchmassagen, Wehentee und Nelkenöltampons, bloß mit dem altbekannten Wehencocktail aus Rizinusöl wollte ich noch warten.

Nicht für die Wehen aber für eine „leichtere“ Geburt gab es zum Schluss auch noch täglich Leinsamen und Heublumendampfsitzbäder. Immerhin war die Angst vor erneuten Verletzungen groß und mir war bewusst, dass Narbengewebe nicht dehnbar ist und es sehr wahrscheinlich wieder zu Rissen kommen wird.

Tipps meiner Hebamme zum Thema Geburtsvorbereitung findet ihr übrigens HIER.

Tut sich schon etwas?

Der errechnete Geburtstermin war der 23.5.2019 und etwa 3 Tage zuvor bemerkte ich die ersten Wehen. Anders als die Senkwehen machten sich diese nun schon mit Regelschmerz-ähnlichen Schmerzen bemerkbar während der Bauch hart wurde. Sie kamen und gingen, es war keine Regelmäßigkeit zu erkennen und auch die Intensität schwankte. Sie waren aber problemlos auszuhalten und störten nicht. Am 22. beschloss ich eine Pause von all den oben genannten „Mittelchen“ einzulegen und wollte meinen Körper etwas zur Ruhe kommen und Kraft tanken lassen. Lustigerweise begannen aber genau an diesem Tag die Wehen. Sie waren noch immer relativ unregelmäßig aber doch schon etwas intensiver. Gegen 20 Uhr begann ich die Abstände und Dauer zu messen. Etwa 40 Sekunden dauerte eine Wehe und sie kamen mal nach 7 Minuten, mal nach 20 und dann wieder nach 15 Minuten. Gegen 22 Uhr versuchte ich mich noch hinzulegen und windete mich bis 2 Uhr auf der Couch herum. Mein Freund und mein „Großer“ schliefen währenddessen nichtsahnend, tief und fest im Schlafzimmer.

Der altbekannte „Badewannen-Test“

Um zwei Uhr waren die Abstände nur noch zwischen 3 und 6 Minuten. Ich musste schon anfangen die ersten Atemtechniken anzuwenden und spürte die Wehen gut im Unterbauch und im unteren Rücken. Dann machte ich mir ein warmes Bad und die nächste Wehe war wirklich intensiv. Man sagt ja, dass Vor- oder Senkwehen in der Badewanne verschwinden und man so erkennt, ob die Wehen nun „echt“ sind oder nicht. Meine durften also zu der Sorte „echte Wehen“ gehört haben. Also raus aus der Badewanne und Freund aufwecken.

Sollen wir ins Krankenhaus?

Wir zogen uns noch in Ruhe um und ich machte mich fertig. Nun ging garnichts mehr während den Wehen. Ich musste mich wo anlehnen, kniete mich am Boden oder hielt mich wo fest und veratmete brav. Stefan forderte mich dann auf doch bitte endlich meine Eltern zu kontaktieren, damit sie zu uns kommen und auf den Großen aufpassen. Immerhin mussten wir etwa 1 Stunde einplanen vom Anruf, bis sie da sind und unserer Fahrt ins Krankenhaus.

Als meine Eltern dann da waren, war es schon höchste Zeit. Ich kniete im Vorhaus, mit einem Kübel in den Armen und erbrach. Um halb 4 ging es dann endlich Richtung Krankenhaus mit Wehen alle 2 bis 4 Minuten und je einer Dauer von etwa 40 Sekunden. Zur Sicherheit schnappte ich mir noch ein Handtuch zum Unterlegen für den Sitz. Die erste Wehe im Auto war richtig unangenehm und auch im Krankenhaus am Weg zum Kreißsaal mussten wir immer wieder Pausen einlegen.

Endlich im Krankenhaus!

Mittlerweile war es 4 Uhr in der Früh und die Hebamme schloss mich seelenruhig ans CTG. Auch hier musste ich mich nochmals übergeben. Nun wartete ich nur noch auf die Untersuchung des Muttermundes und hoffte auf eine positive Antwort. Und da kam sie: 8 cm!

Also ab in den Kreißsaal. Die Wehen kamen in kurzen Abständen und waren sehr Intensiv. Nach einiger Zeit verspürte ich bereits einen Druck nach unten. Ich hatte aber immer den Gedanken im Kopf ich kann noch nicht drücken, da weder der Schleimpropf abgegangen war noch die Fruchtblase platze. Beides passierte bei der ersten Geburt während der Wehen. Dann gab ich dem Druck nach Pressen doch nach und die Blase platzte.

Jetzt wird es ernst.

Ich sagte der Hebamme Bescheid, dass ich nun Druck verspüre und sie richtete alles her und meinte mit der nächsten Wehe sollte ich pressen.
Ganz kurz war der Gedanke da bezüglich Verletzungen, aber ich wusste nun liegt es an mir wie lange es noch dauert bis ich meine Tochter kennenlernen darf. Also presste ich. Es tat sehr weh und ich schrie lauthals. Ich war total verkrampft und die Wehen Pause war richtig unangenehm. Schließlich schaffte es die Hebamme doch, mich zum Entspannen zu animieren. Ich hatte furchtbare Angst vor den Schmerzen wenn ich mich entspannen aber es war wirklich angenehmer. Und da war auch schon die nächste Wehe.
Übrigens war ein anderer meiner Vorsätze – bloß nicht im Liegen gebären. Den habe ich aber gebrochen und es hat trotzdem gut gepasst. Ich fragte die Hebamme vor der Austreibungsphase welche Position ich einnehmen sollte und hoffte irgendwie darauf, dass sie mich animieren würde aus der Liegeposition in den Vierfüßler oder ähnliches zu wechseln. Aber es kam nichts. So blieb ich in der Liegeposition.
Aber zurück zu meinen Presswehen. Bei meinem ersten Kind dauerte die Austreibungsphase ewig lange. Immer wieder spürte ich den Kopf, der dann in der Pause wieder zurück rutschte. Dieses Mal war es ganz anders. Es ging total schnell. Und plötzlich rutschte meine Tochter unter lautem Geschrei und dem Einsatz all meiner Kraft (und der meines Freundes und vermutlich auch der der Hebamme) heraus. Zu unserer Verwunderung mit dem Blick nach oben, also in der sogenannten hinteren Hinterhauptslage.
Die Hebamme erwähnte noch kurz, dass sie die Nabelschnur einmal um den Hals hatte, aber ihr ging es gut und ich bekam sie sofort auf mich gelegt. Papa trennte noch die Nabelschnur durch und ich fragte gleich mal ob ich denn gerissen sei. Nur Schürfungen, aber nichts zum Nähen – die Erleichterung war mir ins Gesicht geschrieben!

Es war nun übrigens 6:10 Uhr und wir waren gerade mal zwei Stunden im Krankenhaus bevor unsere „Sternderlguckerin“ das Licht der Welt erblicken durfte!

Und was passiert nach der Geburt?

Dann folgte das Durchtrennen der Nabelschnur, die Nachgeburt, Kuscheln und erstes Anlegen (stillen), Erstuntersuchung vom Baby (inkl. Abmessen, Fußabdruck nehmen, anziehen …), Frühstück und mehrfache Kontrolle der Blutung. Ach, und für den Kreislauf gab es gleich nach der Geburt erstmal einen Traubenzucker und ein Cola bzw. Mezzo Mix, was ich natürlich alles in der Kliniktasche mit dabei hatte.
PS: Was ich sonst noch so eingepackt habe und meine ultimative Packliste findet ihr HIER

fbt
Pünktlich am errechneten Termin hast du unsere kleine Familie bereichert! Mami, Papi und dein großer Bruder lieben dich!

 

Wir sind überglücklich, dass unsere kleine Seraphina gesund und munter ist und dass die Geburt so problemlos verlief.
Allen Schwangeren wünsche ich auf diesem Wege eine wundervolle Geburt und viel Kraft!
eure Sophie