Eine Leserin erzählt: Hilfe, mein Baby befindet sich im Sitzstreik! …oder wie ich die Schwangerschaft mit einer Beckenendlage erleben durfte. 

Unser neues Haus war gerade dabei endlich fertig zu werden und all die Mühe könnte doch nicht schöner belohnt werden, als mit unserer kleinen Familie in das neue Heim zu ziehen. Ich war gerade am Anfang meiner zweiten Schwangerschaft und die Entscheidung war schnell gefallen. Unser zweites Kind kommt als Hausgeburt.

Der Traum von einer Hausgeburt

Also rief ich gleich meine Hebamme an und fragte Sie, ob Sie mir jemanden empfehlen kann, der Hausgeburten macht. Es stelle sich heraus, dass dies, aufgrund des Hebammenmangels, gar nicht so einfach war. Aber ich fand, dann schnell eine Hebamme, welche ca. 30 km entfernt wohnte und Hausgeburten machte. Das Hebammengespräch zwischen der 18. und 22. SSW machte ich also gleich mit Anna. Sie erzählte mir wie eine Hausgeburt laufen würde und unser Entschluss stand fest. Nur haben wir nicht daran gedacht, dass unser Baby hier auch ein Mitsprache Recht haben würde.

Baby dreh dich doch …

Schon bei den letzten Untersuchungen hatte unser Baby immer die Füße, wie ein Klappmesser, vor dem Gesicht. Als ich zur dritten Vorsorgeuntersuchung kam, meinte meine Frauenärztin, dass sich das Baby noch immer in der falschen Lage befindet und es sich doch schön langsam drehen sollte. Am Heimweg habe ich also meine Hebamme angerufen und wir haben darüber gesprochen, wie ich mein Ungeborenes zu einem Purzelbaum bewegen kann. Hierzu gibt es viele Möglichkeiten, anfangs versuchte ich regelmäßig die indische Brücke. Hier verweilt man mit dem Popo in der Höhe auf den Händen aufgestützt für ca. 15. Minuten und steht dann schwungvoll auf. Diese Übung machte ich zweimal täglich. Aber ich spürte, dass noch immer der Kopf an meine Rippen drückte. Also recherchierte ich weiter und versuchte alles Mögliche. Ein Tipp war, dass man sich ein Glöckchen an den Hosenbund machen solle. Das entstehende Geräusch solle das Kind in die richtige Richtung lenken. Ich fühlte mich den ganzen Tag wie eine Kuh auf der Alm, da bei jedem Schritt, die Glocke tönte. Aber der gewünschte Erfolg blieb aus.

Anders als bei einer Krankenhausgeburt, sind Bei der Hausgeburt auch noch in der Schwangerschaft besuche von der Hebamme geplant. Diese nutzen Anna und ich hauptsächlich zum Moxen. Hier wird mit einer Beifusszigarre ein Akkupunkturpunkt an der kleinen Zehe mit Wärme stimuliert. Dieser ist sehr vielversprechend für eine Wendung des ungeborenen Kindes. Da dies bei meinem Baby noch immer nicht den gewünschten Erfolg brachte, mussten wir uns schön langsam Gedanken um die Geburt machen.

Eine Hausgeburt ist bei einer Steißlage keine Option

Es gab für mich also drei Optionen:

  • Eine äußere Wendung
  • Kaiserschnitt
  • Ein Krankenhaus finden, wo man natürlich entbinden kann

 

In den beiden nächstgelegenen Krankenhäusern würde eine Beckenendlage automatisch bedeuten, dass ich einen Kaiserschnitt bekommen würde. Für mich war jedoch klar, dass ich mein Kind lieber natürlich gebären würde. Meine Frauenärztin und meine Hebamme empfahlen mir somit, dass ich in das Krankenhaus nach Salzburg gehen solle. Hier wird die Beckenendlage noch praktiziert und vor allem gelehrt. Also machte ich zuerst einen Term in für den Versuch einer äußeren Wendung. In der 36. Woche kam ich also das erste Mal in die Klinik in Salzburg. Je nach Verkehr war dies eine Fahrt von ca. 1 Stunde. Wir begannen mit einer Standarduntersuchung des Fötus. Mein Kind wurde mit Ultraschall vermessen usw. Die Ärztin war sehr nett und zugänglich und fragte mich, wie ich mir die Geburt vorstelle. Für mich lag die Antwort klar auf der Hand. Wenn die Wendung funktioniert, dann bekomme ich es zu Hause und sonst fahre ich zu Ihnen und bekomme es natürlich. Nach der Untersuchung wurde mir ein ambulantes Zimmer zugeteilt.

Letzter Versuch – die äußere Wendung

Nach einiger Zeit wurden mein Mann und ich in den Kreißsaal gebracht. Es waren ein Oberarzt, eine Assistenzärztin und eine Hebamme anwesend. Die junge Ärztin versuchte das Kind zu wenden, leider ohne Erfolg. Für mich war dies sehr schmerzhaft. Der Oberarzt prüfte noch einmal die Lage des Kindes und stellte fest, dass es sich nicht wenden lassen würde. Um eine natürliche Geburt in der Klinik machen zu können, mussten wir also ein Aufklärungsgespräch machen. Der Oberarzt meinte, wir sollen es uns in Ruhe überlegen und dann nächste Woche noch einmal kommen. Mir war klar, dass ich eine natürliche Geburt wollte und dass ich nicht nächste Woche wieder kommen möchte, sondern das Gespräch gleich führen wollte. Da unser Baby nach der Wendung noch ein paar Stunden überwacht wurde, mussten wir noch im Krankenhaus bleiben und in gewissen Abständen ein CTG schreiben. Nach einiger Zeit kam der Arzt wieder rein. Er hatte die Ärztin, welche die Standarduntersuchung machte mit und meinte, Sie hat ihn überzeugt, dass wir sicher eine Beckenendlage als natürliche Geburt machen wollen.

Natürliche Geburt trotz Beckenendlage

Bei dem Aufklärungsgespräch war ich sehr überrascht, dass eine Geburt mit Steißlage nur minimal höhere Risiken hat wie eine „normale“ Geburt. Ich dachte immer, dass so viele Krankenhäuser die Geburten nicht mehr natürlich machten, weil das Risiko so hoch ist. Weiters erklärte mit der Oberarzt, dass sie eine Beckenendlagengeburt gerne im Vierfüßler machen, denn dann erledigt die Schwerkraft die meiste Arbeit und das Kind flutsch buchstäblich raus. Um ehrlich zu sein, dachte ich mir in diesem Moment, bring du doch mal ein Kind zur Welt, bevor du mir erklärst wie einfach eine Geburt ist. Wir vereinbarten außerdem, dass ich die nächsten Vorsorgeuntersuchungen bereits in Salzburg machen sollte. Nach der Wendung fühlte sich mein Bauch sehr hart und weh an. Dieses Gefühl ließ jedoch bereits am nächsten Tag nach. Ich dachte mir, dass wir unser Kind sicher gestört haben und dass die Geburt somit nur noch eine Frage der Zeit ist. Bereits nach ein paar Tagen hatte ich nachts wehen. Leider vergingen diese ziemlich schnell wieder. So ging es dann mindestens alle 4 Tage.

Die Fruchtblase ist geplatzt!

Letzten Endes waren wir jedoch 5 Tage über den Termin, als nachts plötzlich die Fruchtblase platze. Also riefen wir die Rettung an und erklärten auch gleich, dass wir einen Überstellungsschein nach Salzburg haben. Mein Glück war, dass ich nur einen Blasensprung und keine einzige Wehe zu diesem Zeitpunkt hatte. Wäre ich in Wehen gelegen, hätte mich die Rettung in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht und dies hätte Bedeutet, dass ich sofort einen Kaiserschnitt bekommen hätte. Also ging es mit der Rettung nach Salzburg. Auf der ganzen Fahrt hatte ich gerade mal eine Wehe und ich war irgendwie verärgert. In meiner Vorstellung dachte ich mir, dass ich jetzt wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit eingeleitet werden würde und wir die ganze Zeit im Krankenhaus festhängen würden. Als wir nach einer langen Fahr im Krankenhaus ankamen, wurden wir von der Hebamme schon erwartet und sehr herzlich empfangen. Wir bekamen ein Zimmer im Kreißsaal und ich wurde untersucht.

 

Das kann noch dauern …

Der Muttermund war bei meiner Ankunft gerade mal 4 cm geöffnet. Die Hebamme empfahl uns, dass wir uns schlafen legen sollten. Nach dem ich ca.15 Minuten versucht habe zu schlafen, spürte ich eine Wehe und ich sagte zu meinem Mann, dass er mir mein Buch geben sollte, weil ich sowieso nicht schlafen konnte. Bereits nach ein paar Minuten wurden die Wehen immer heftiger und ich merkte, dass sie auch etwas bewirkten.

Und dann ging es doch ganz schnell

Nach weiteren 15 Minuten holte mein Mann die Hebamme. Diese war so überrascht zu sehen, in welchem Geburtsstadium ich mich nach kurzer Zeit befand. Die überprüfte noch einmal den Muttermund und stellte erfreut fest, dass dieser inzwischen verstrichen war. Schnell holte sie die Ärzte. Bei einer Beckenendlage sind automatisch immer die Ärzte anwesend und da dies wohl etwas Besonderes ist, war das Zimmer schnell voll. Die Hebammen versicherten mir, dass es nicht mehr lange dauern würde und ich war ehrlich gesagt, etwas skeptisch. Dies wurde mir bei der ersten Geburt auch gesagt und dann dauerte es doch noch länger. Aber dieses Mal behielten Sie recht. Ich wurde gebeten, dass ich in den Vierfüßler gehe und stark presse. Und bereits nach kurzer Zeit ist meine Tochter buchstäblich herausgeflutscht und die Plazenta gleich nach. Da die Geburt so heftig und in so kurzer Zeit war, fühlte ich mich fast, als hätte ich einen Marathon gelaufen. Aber ich war unglaublich glücklich, als ich meine Tochter endlich bei mir hatte. Es ging uns allen sehr gut. Ich war sehr froh, dass wir eine natürliche Geburt erleben durften. Wenn es jedoch medizinisch Notwendig gewesen wäre, hätten wir natürlich auch einen Kaiserschnitt gemacht. Kurz darauf brachte uns die Hebamme ein Frühstück und sie lachte mich dabei an und sagte, wer hätte gedacht, dass wir so schnell fertig sind und jetzt schon frühstücken. Um diesen Abschnitt noch perfekt zu machen, hatte ich noch einen weiteren Glückstreffer. Ich hatte das Glück, dass ich auf ein Einzelzimmer kam. Das Zimmer war mit einer großen Hebeschiebetür mit Blick auf den Garten ausgestattet. Es fühlte sich fast an wie Urlaub nur noch schöner.


 

Die heutige Gastautorin stellt sich vor:
Mein Name ist Katrin und ich bin 32 Jahre alt. Ich lebe mit meinem Mann und unseren beiden Töchtern im schönen Salzkammergut. Schon seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken, unsere kleine Geschichte nieder zuschreiben. Als ich den Aufruf von Sophie für einen Gastartikel gelesen habe, wusste ich, dass ich nun endlich einen Grund habe um es nicht länger aufzuschieben.
Mit meiner Geschichte möchte ich allen, die sich in einer ähnlichen Situation wie ich befinden, Mut und einen neuen Blickwinkel geben. Es erwartet auch euch eine tolle Erfahrung und ein wundervolles Erlebnis.

 

PS: Wenn auch du deine Geschichte mit uns teilen möchtest, dann melde dich gerne unter kinderlachen.elternsachen@gmx.at mit dem Betreff GASTARTIKEL.
Ich freue mich darauf!
eure Sophie