Seit knapp einem Monat bin ich nun daheim und erledige alles, was selbstverständlicherweise bis jetzt Sophie gemacht hat und allgemein als Frauenarbeit angesehen wird: Ich wecke die Kinder, ziehe sie an, putze ihnen die Zähne, mache ihnen Frühstück und die Jause für den Kindergarten, ich koche, putze und mache natürlich auch die Wäsche.

Mein Tagesablauf

Ich stehe gegen sechs auf und entweder setze ich mich direkt an meinen Arbeitscomputer um meine Home-Office Stunden für diesen Tag ungestört erledigen zu können oder ich stürze mich gleich mal auf den über Nacht fertig gewordenen Geschirrspüler und die Waschmaschine. Um halb sieben mache ich Frühstück und wecke dann den Großen für den Kindergarten auf. Der will natürlich nicht auf (ich wusste nicht, dass die Pubertät schon mit vier beginnt?!), also zieh ich mal die Rollos hoch, lege ihm sein Gewand aufs Bett und probiere es fünf Minuten später nochmal. Da das meistens immer noch nicht zieht wird der bequeme Herr zuerst auf’s Klo und dann ins Bad getragen, wo er sich im besten Fall anstandslos, im schlechtesten Fall nach einer Viertelstunde Protest und Diskussion (falsche Zahnpasta obwohl er nur eine hat, falsche Zahnbürste obwohl er sich drei Sekunden vorher eine andere ausgesucht hat,…) die Beißerchen putzen und zurück in sein Zimmer getragen auch das Gewand anziehen lässt. Um halb acht kommt der Kindergartenbus, danach wird die Wohnung aufgeräumt und im Bedarfsfall (was eigentlich mehrmals täglich wäre) Dust-In von der Leine gelassen. Seraphina wacht gegen halb neun auf, da gibt’s dann nochmal Frühstück, dann kann ich das auch wegräumen, natürlich nur mit Baby am Arm. Dann steht Organisatorisches an der  Tagesordnung, also Telefonate mit der Gemeinde, der Kellerfirma, dem Architekten, der Hausfirma, der Versicherung,… Termine ausmachen, Dokumente suchen, Pläne weiterleiten, alles möglich nur mit Seraphina auf dem Arm (schon mal versucht mit nur zwei Händen gleichzeitig ein Baby zu tragen, am Telefon hängend Zettel und Stift zu organisieren und dann am vollgeräumten Fensterbrett Notizen zu machen, weil nirgends sonst im Haus Empfang vorhanden ist?) und in der Hoffnung, dass ihr nicht plötzlich einfällt das man auch mal wieder einen Heulanfall starten könnte. Ab zehn ist der Müdigkeitslevel von Seraphina zwar soweit gestiegen, dass Nebenaktivitäten zwar unmöglich sind, an Schlafen aber noch nicht zu denken ist. Ab halb elf machen wir uns aber trotzdem auf den Weg und marschieren den Schotterweg hinter unserem Hof auf und ab (anscheinend schläft es sich bei viel
Gerumpel am besten) bis Madam wieder ins Land der Träume entgleitet. Beim Reingehen noch ein Blick in die Vorratskammer und ein Rezept ersonnen starte ich auch schon mit meinem täglichen Kochversuch (obwohl ich mich davor echt am meisten gefürchtet habe gelingt es mir eigentlich gar nicht so schlecht, muss ich zugeben). Leonidas kommt um zwölf heim und sobald wir zu essen begonnen haben wacht auch Seraphina auf (bin mir mittlerweile ziemlich sicher, dass sie sich nur mit Gerüchen und nicht mit Geräuschen aufwecken lässt) und will mitfuttern. Nach dem Essen stecke ich
beide ins Kinderzimmer um Tisch und Küche wieder in einen halbwegs ansehnlichen Zustand zu bringen. Wenn das gelingt gibt’s Kuschel- und Spielzeit bis irgendwer von uns beschließt wir müssen jetzt wohin fahren. Meistens bin das ich, weil die Kids binnen weniger Minuten die gesamte Aufräum- und Putzarbeit vom Vormittag zunichte machen. Also wird die Wickeltasche aktualisiert, diverse Getränke- und Futterbehälter befüllt und die Kinder mit Sack und Pack ins Auto gesteckt (ich sollte einen Award bekommen für den höchsten auf einem Kinderwagen aufgestapelten Turm) und losgedüst.
Manchmal läuft aber auch gar nichts…

Wem erzähl ich das eigentlich?!

Vielleicht wiederhole ich mich mit diesem Post, aber aus irgendeinem Grund empfinde ich es für nötig zu rechtfertigen. Nicht für mich selbst, ich habe mich schon immer gern wider Erwarten verhalten, sondern für alle Männer und Väter, die sich entscheiden zu Hause zu bleiben, die klassische Rolle der Frau und oder Mutter einzunehmen, für die Kinder und die Partnerin dazusein. Wie ich so meinen Tagesablauf beschreibe werden sich viele Frauen bestimmt gedacht haben “genau so läuft es bei mir auch”. Das weiß ich! Wie könnte es auch anders sein? Ich schreibe diesen Beitrag weil ich auch anderen zeigen möchte was alles dabei ist einen Haushalt mit Kindern zu führen und warum man sich (besonders) als Mann tüchtig ranhalten muss da mitzukommen.
Schon nach dieser kurzen Zeit kann ich Sophie viel mehr Verständnis für ihre “Leistung” in der Hausarbeit entgegenbringen. Vieles läuft bei mir nach wie vor nicht im Ansatz so rund. Meine Wäsche sieht grausam aus, Putzarbeit findet kaum statt und über meine Kochergebnisse muss wer anderer urteilen.

Trotzdem…

Trotzdem liebe ich meinen neuen “Job”! Und das aus vielen und guten Gründen, einige davon will ich euch erzählen:

  • Ich kann jeden Tag miterleben wie Seraphina aus dem Land der Träume erwacht und mir als allererstes ein riesen breites Lächeln schenkt (keine Ahnung wie man beim Aufwachen soo glücklich sein kann)
  • Ich habe Seraphina doppelt und Leonidas geschätzt eineinhalb mal so lange wie Sophie, die pro Woche ungefähr 50 Stunden außer Haus ist
  • Wir haben als Familie mehr Geld zur Verfügung
  • Ich kann mich um die Organisation unseres Bauprojekts kümmern, das wirklich viel Telefonierarbeit erfordert
  • Ich bringe Fairness in unsere Partnerschaft und kann Sophie die Chance auf eine
    Berufskarriere ermöglichen die einer Frau mit Kindern diesen Alters sonst wahrscheinlich verwehrt wäre
  • Ich kann beweisen, dass auch Männer so gute Hausfrauen sein können wie ihre Frauen 😉

 

Diesen Post möchte ich mit einem Zitat von Leonidas beenden, das er heute völlig aus dem Nichts am Mittagstisch von sich gegeben hat: “Fidu, ich mag es wenn du sagst dass du mich lieb hast, weil ich dann Schmetterlinge im Bauch habe die mich kitzeln.”
Fidu

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